Branchentreff

Heidelberger E-Health-Tag 2017

Die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung des Gesundheitswesens führt dazu, dass sich die zuständigen Bereiche für IT, Pharma und Me­dizintechnik aufeinander zu bewegen. Get-together ist der jährlich stattfindende Heidelberger E-Health-Tag.

Thema: Patient Engagement

Den rechtlichen Rahmen für den "Patient als Partner" gibt es schon seit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz 2003. Aber erst die digitalen Entwicklungen der letzten Jahre – wie Medikationsplan, Videosprechstunde oder Gesundheits-Apps – haben das Konzept mit Leben gefüllt. Der Heidelberger E-Health-Tag 2017 am 22. September stand daher ganz im Zeichen des "Patient Engagement".

Der E-Health-Tag 2018 ist bereits in Planung. Lesen Sie mehr zu Terminen, Themen und Referenten.

Rückblick und Zusammenfassung

Patient Engagement von 1999 bis heute

Anja Fink, TWT Digital Health

Dass der "Patient als Partner" schon seit rund 20 Jahren auch im Internet ein Thema ist, zeigt Anja Fink, Projektmanagerin bei TWT Digital Health, am Beispiel der Patientenwebsite parkinson-web.de. Die damals von SmithKline Beecham, der Deutschen Parkinson Vereinigung und einer Spezialklinik gemeinsam in Betrieb genommene Website ist – auch dank vieler nutzergenerierter Inhalte – seit mehr als einem Jahrzehnt die erste Anlaufstelle für Parkinsonpatienten. Jahrelang war parkinson-web.de sogar in der deutschsprachigen Wikipedia erwähnt.

TWT Digital Health war, damals noch unter dem Namen xmachina, von Anfang an mit an Bord und organisierte alle Redaktions- und Produktionsabläufe: vom vierteljährlichen Redaktionstreffen bis zur täglichen Kontrolle der Einträge. Fink hatte aber auch die klare Botschaft: Tue Gutes und rede darüber. Was in diesem Zusammenhang heißt, dass man die Website wie ein Produkt behandeln sollte. Mit einem Produktverantwortlichen, einem Licecycle-Management und nicht zuletzt mit geeigneten Marketingmaßnahmen.

Medizinprodukte entwickeln mit Patientenunterstützung

Berndhard Schmidt, Roche Diabetes Care

Bernhard Schmidt, Business Development Manager bei Roche Diabetes Care und nach eigenen Angaben passionierter "Health Hacker", zeigte anschaulich, wie digitale Prozesse auch die Produktentwicklung revolutionieren. Mit einem internationalen Team ist er im Moment damit beschäftigt, die agilen Entwicklungsprozesse der Software-Industrie auf die Produktentwicklung in der Medizintechnik zu transferieren. Und das patientenzentriert.

Denn, so Schmidt süffisant: "Die Entwicklung beginnt nicht mit einer genialen Idee, sondern mit einem Menschen, der an Diabetes erkrankt ist." Und er weiß: Rund 90 Prozent aller neueingeführten Produkte enden als Flop, weil kein echtes Problem gelöst wird. Und mit seinem Team treibt er die die "reverse Innovation" noch weiter: Nicht nur vom Patienten zum Hersteller, sondern auch vom Entwicklungsland zum reifen Markt statt umgekehrt. Er ist sicher: Digital Health wird die Spielregeln auf den Kopf stellen – nicht der größte Fisch gewinnt, sondern der Innovationsagilste.

Patientendaten und die EU-Datenschutzregeln

Klaus-Christian Falkner, Rechtsanwälte Falkner & Hartenfels

Wer glaubt, Juristerei sei langweilig, sah sich beim Vortrag von Klaus-Christian Falkner getäuscht. Denn seine Ausführungen beschäftigten sich nicht nur mit dem Status quo bei Datenschutz und Datensicherheit für Gesundheitsdaten. Er warf auch einen Blick ins Jahr 2018, wenn die EU-Datenschutzregeln in Kraft treten und ohne weitere Übergangszeit zum Gesetz werden.

"Vieles wissen auch wir Juristen noch nicht und manches werden sicher erst die Gerichte im Nachgang klären", gibt er erst einmal ein wenig Entwarnung. Aber: Dass Datenschutz by Design und Datenschutz by Default schon heute Fakt sein sollten, daran ließ er keinen Zweifel. Und er ist sicher: "Auch für die Großen wie Microsoft oder Facebook wird das entsprechende Folgen haben." Droht doch ein Bußgeld von bis zu vier Prozent des globalen Jahresumsatzes … Sicher ist jedenfalls: Wer sich auf dem E-Health-Markt tummelt, braucht fachkompetente juristische Beratung.

Multichannel-Management zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Dr. Alexander Frenzel, QuintilesIMS

Multichannel-Marketing ist angesagt in der Pharmaindustrie – geht es doch darum, die vielfältigen Kontakte eines Unternehmens zu den HCPs zu strukturieren und entsprechend den Kundenwünschen zu bespielen. Dr. Alexander Frenzel von QuintilesIMS stellt dazu eine interessante globale Studie seines Unternehmens vor.

Wenig erstaunlich ist in Deutschland – wie in manchen anderen europäischen Ländern auch – der traditionelle Kanal noch wesentlich ausgeprägter, während in den USA und in Japan die digitale Komponente überwiegt. Doch IMS hatte nicht nur den Status quo abgefragt, sondern auch die persönlichen Präferenzen der Ärzte erhoben. Und hier zeigt sich ganz klar: Deutsche Ärzte hätten gerne viel mehr digitale Kontakte. Warum? Weil sie die Angebote dann nutzen können, wenn sie dazu Zeit (und Lust) haben und nicht im Vorfeld Termine vereinbaren müssen.

Den medizinischen Alltag digital erleichtern

Dr. Lucas Spohn, Tomes

Dr. Lucas Spohn ist Arzt mit einer besonderen Profession: Als Gründer und Geschäftsführer der Tomes GmbH in Freiburg stellt er sich den Herausforderungen bei der Planung, Durchführung und Beobachtung einer optimalen Therapie. Dabei hat er den gesamten Konsultationsprozess zwischen Arzt und Patient im Fokus: von den Ängsten und Erwartungen des Patienten über Anamnese und Diagnose bis zur Therapieentscheidung. Und dann weiter über Therapieplanung und -durchführung bis zur Kontrolle.

Aus jedem dieser Schritte stellte er erfolgreiche Beispiele vor, nannte aber auch die Hürden. Für jeden Zuhörer boten sich so Anknüpfungspunkte für die tägliche Arbeit. Die Chancen der Digitalisierung sind riesig – von der hohen Verfügbarkeit bis zur kostengünstigen Umsetzung in der Breite, so Spohn. Aber auch die Herausforderungen – wie medizinische Qualität oder der Datenschutz – dürfen seiner Meinung nach nicht unterschätzt werden. Letztendlich entscheiden auch hier die Patienten, welche Angebote sie annehmen und welche auf der Strecke bleiben.

Eine medizinische App im Praxis-Alltag

Klaus Mueller, TWT Digital Health

Dass digitale Adhärenzprogramme heute schon erfolgreich eingesetzt werden, zeigte anschließend TWT Digital Health-Geschäftsführer Klaus Mueller. In jedem einzelnen Fall von mangelhafter Adhärenz, so ist Mueller überzeugt, ist ein dreistufiges Modell sinnvoll:

  1. Gründe identifizieren
  2. Persönliche Ansprache
  3. Automatisierte Interventionen

Viele entsprechende Angebote, so Mueller weiter, sollten dabei als Medizinprodukte registriert werden. Denn letztlich können sie in die Therapie eingreifen und dann ist die Registrierung obligatorisch.

Wie solche automatisierten Interventionen aussehen können, demonstrierte er dann an einem Praxisbeispiel: Zusammen mit einem internationalen Pharmakonzern und dessen Dienstleistern hat TWT Digital Health ein System entwickelt, das über eine Patienten-App und eine Cloud-basierte Datenbank die Adhärenz vom Patienten mit Multipler Sklerose monitoren kann und ggf. Alarm schlägt. Und das alles so, dass sowohl die strengen Datenschutz-Richtlinien in Deutschland als auch HIPAA-Kriterien in den USA gewahrt sind.

Rückblick und Presse

Der dritte Heidelberger E-Health-Tag hatte sich zum Ziel gesetzt, einen kompakten Überblick über die aktuellen Entwicklung im Bereich "Patient Empowerment" zu liefern – dabei die Chancen, Möglichkeiten aber auch Herausforderungen herauszuarbeiten. Bei der Veranstaltung im September 2017 diskutierten dazu über 50 Fachleute, während unser Geschäftsführer Klaus Mueller durch das Programm führte.

Berichte zur Veranstaltung zum Beispiel im Blog medicallearning.de ...

Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.
Was erwarten Patienten vom Gesundheitssystem und der pharmazeutischen Industrie?

Bernhard Schmidt, Roche Diabetes Care Deutschland
Co-Creation mit Kunden & Patienten mit Hilfe von Design Thinking & Lean Startup
Reverse Innovation: Vom Entwicklungsland zum reifen Markt statt umgekehrt

Klaus-Christian Falkner, Rechtsanwälte Falkner & Hartenfels
Datenschutz und Datensicherheit für Gesundheitsdaten – Wie können hochsensible Patientendaten ausreichend geschützt werden?

Dr. Alexander Frenzel, QuintilesIMS
Multichannel-Management in der Pharmaindustrie – Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Dr. Lucas Spohn, Tomes
Herausforderungen bei Planung, Durchführung und Beobachtung einer optimalen Therapie – Wie E-Health-Lösungen den medizinischen Alltag vereinfachen können

Klaus Mueller, TWT Digital Health
Medical Apps als Adhärenz-Instrument – Das große Potenzial und die große Herausforderung von medizinischen Apps
Case Study: Eine medizinische App im Praxisalltag

Laden Sie sich das Programm als PDF-Datei herunter!

Der Heidelberger E-Health-Tag fördert ein Treffen aller Disziplinen, die bei den Themen Internetmedizin, Medical Apps und Software als Medizinprodukt zusammenfinden. In praxisnahen Vorträgen stellen die Redner ihre Ansätze, Ideen, Erfahrungen und Erkenntnisse vor.

Der Branchentreff, im Stil einer Vortragsreihe mit anschließenden Diskussionen, bietet jedes Jahr viele Möglichkeiten die eigenen Erfahrungen zu teilen und sich mit anderen auszutauschen.

"Beim Heidelberger E-Health-Tag erhält man jedes Mal ein spannendes Update zu aktuellen Entwicklungen und Trends in der Branche. Durch die Anwesenheit von Top-Speakern und vielen Experten ergibt sich außerdem eine sehr gute Networking-Möglichkeit."

Dr. Elisabeth Moster, GlaxoSmithKline

"Sehr gute Veranstaltung voll interessanter Themen und Gesprächen, die man allen E-Business-Verantwortlichen nur empfehlen kann."

Peter Teich, PTC Consulting in Healthcare

Über 50 Fachleute aus dem Pharma- und Gesundheitsmarkt stellten sich die Frage, inwiefern die Digitalisierung in einem so datensensiblen Sektor Anwendung finden kann bzw. bereits Anwendung findet. Unser Geschäftsführer Klaus Mueller führte durch das spannende Programm.

Weitere Informationen zu Themen und Referenten 2016 sowie Fotos finden Sie unter:
Heidelberger E-Health-Tag 2016 ...

Der erste Heidelberger E-Health-Tag fand im Jahr 2015 statt. Weitere Informationen finden Sie hier:
Heidelberger E-Health-Tag 2015 ...

Branchentreff

Heidelberger E-Health-Tag 2017

Die Veranstaltung stellte mit dem Motto "Patient Engagement" den Patienten in den Mittelpunkt.